Bericht Prag
15. September – Ankommen, Kennenlernen und Sprachanimation
Unsere 27-köpfige Gruppe erreichte gegen 9 Uhr morgens die Střední odborná škola Drtinova, unsere Partnerschule im Zentrum von Prag. Dort wurden wir von Schülerinnen freundlich begrüßt und zunächst durch das Schulgebäude geführt.
Anschließend empfing uns die Lehrerschaft, Tomáš Botlik und Veronika Bícová begrüßten unsere Gruppe und eröffneten den gemeinsamen Begegnungstag.
Im Mittelpunkt des Vormittags stand eine Sprachanimation von Tandem, geleitet von Simona Pöder Innerhofer und Eva Raymond. Ziel war es, die deutsche und die tschechische Gruppe auf spielerische Weise miteinander in Kontakt zu bringen und erste sprachliche und kulturelle Brücken zu bauen.
Mit vielen abwechslungsreichen Übungen gelang dies sehr schnell. Die Schülerinnen und Schüler lernten sich über Kennenlernspiele, einfache tschechische Begriffe und kleine landeskundliche Aufgaben kennen. Dazu gehörten unter anderem Begrüßungsformen mit der Fußspitze, Bewegungsspiele im Raum, „Schnick-Schnack-Schnuck“, eine Namenslokomotive, geografische Spiele, Übungen zur Flaggenerkennung sowie ein „Danke-Bitte-Ball“.
Besonders lebendig war eine Übung mit drei Stuhlreihen, bei der Symbole von hinten nach vorne weitergegeben und anschließend erläutert werden mussten. Auch Fremdwörter und bekannte Begriffe machten sichtbar, wie viele sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten es zwischen beiden Gruppen gibt.
Die deutsche und die tschechische Gruppe kamen so humorvoll, ungezwungen und mit viel Freude miteinander in Kontakt. Sprachliche Hemmungen verloren schnell an Bedeutung. Die Jugendlichen konnten erleben, dass sie trotz unterschiedlicher Herkunft vieles gemeinsam haben – in Sprache, Alltag, Interessen und Humor.
16. September – Gemeinsamer Besuch der Gedenkstätte Lidice
Am Mittwoch machte sich unsere Gruppe auf den Weg zur Gedenkstätte Lidice.
Lidice Memorial
Dort trafen wir erneut auf eine Schülergruppe unserer Prager Partnerschule, begleitet von der Lehrerin Kamila Jakubu. Gemeinsam nahmen wir an einer Führung über das weitläufige, parkähnliche Gelände der Gedenkstätte teil.
Unser Guide Jan Kaláb führte uns über das Gelände des ehemaligen Dorfes. Erst nach und nach erschloss sich, was an diesem heute stillen Ort während der nationalsozialistischen Besatzung geschehen war. Die Ermordung der Männer, die Deportation der Frauen und die brutale Trennung von ihren Kindern hinterließen bei der Gruppe einen tiefen Eindruck.
Kaláb verstand es, die Geschichte sehr einfühlsam und zugleich konkret zu erzählen. Er beschrieb den Alltag der Dorfbewohner vor der Zerstörung und machte durch viele Namen und persönliche Geschichten deutlich, dass hinter den historischen Ereignissen einzelne Menschen und Familien standen.
Besonders eindrücklich waren die wenigen Spuren, die vom alten Lidice geblieben sind. Dazu gehört ein alter Birnbaum, der als eines der letzten lebenden Zeugnisse des früheren Dorfes gilt. Bewegend war auch das große Denkmal für die ermordeten Kinder.
Das Schicksal der Kinder nahm während der Führung einen besonderen Raum ein. Einige wurden ermordet, andere zur sogenannten „Germanisierung“ in deutsche Familien gegeben. Für manche bedeutete dies nach dem Krieg eine weitere schmerzhafte Erfahrung: Sie mussten erneut Bindungen aufgeben und in ein Umfeld zurückkehren, das eng mit dem Ort des Verbrechens verbunden war. In der Nähe entstand später das neue Lidice.
Viele unserer Schülerinnen und Schüler, aber auch die tschechische Gruppe, reagierten sichtbar betroffen und mit großem Ernst. Die gemeinsame Erfahrung machte deutlich, wie wichtig Erinnerungskultur für das Verständnis von Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlicher Verantwortung ist.
Am Ende der Führung blieb besonders ein Satz im Gedächtnis: „Vergesst Lidice nicht.“ Er stand sinnbildlich für den Wunsch, die Erinnerung an die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner und ihr Schicksal wachzuhalten.
Die beiden ersten Programmtage zeigten bereits sehr deutlich, welchen Wert eine Erasmus+-Gruppenmobilität haben kann. Begegnung, gemeinsames Lernen und historisch-politische Bildung wurden hier unmittelbar miteinander verbunden. Europa wurde für die Teilnehmenden nicht nur als politischer Raum, sondern als gemeinsamer Erfahrungs- und Erinnerungsraum erlebbar.
üler, aber durch die tschechische Klasse reagierten betroffen und mit Schauder.
Andreas Prokopf



